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Teil 7) Sinnhaftes Spielen - Spielentwicklung und warum das freie Spiel so wichtig ist

Gepostet am 7. April 2020 um 6:40


BLOG SPECIAL CORONA 7/7


"Sinnhaftes Spielen"


  • Was hat es damit auf sich?
  • Soll das Spielen jetzt auch noch Sinn machen?
  • Spielen soll produktiv sein?


Nein! Auf keinen Fall! Ganz im Gegenteil!


Ich erlebe viele Kinder, die es verlernt haben, frei zu spielen.


Wir Erwachsenen versuchen häufig unsere Kinder ständig in einem Aktivitätsmodus zu halten, um keine Langeweile aufkommen zu lassen,

- doch die Langeweile und das kreative Erfahren der eigenen Fantasie und Fähigkeiten bringt wahre Erfüllung mit sich.


Wenn wir es schaffen, das freie Spiel der Kinder immer wieder zuzulassen und zu unterstützen, dann werden wir feststellen, dass sie von uns Eltern gar nicht so viel Entertainment brauchen, wie wir dachten. Und das entlastet uns und unsere Kinder.


  • Was bedeutet das freie Spiel?
  • Welche Bedeutung hat überhaupt spielen?


Heute möchte ich euch ein bisschen was über die Definition des freien Spiels erzählen und warum es so essentiell wichtig ist, in den ersten Lebensjahren das freie Spiel unserer Kinder zu fördern.


Des Weiteren gebe ich euch einen kleinen Überblick, welche Spielarten es überhaupt gibt und wie sich das Spielverhalten bei Kindern entwickelt.


Definition von Spiel:


Das freie Spiel kennzeichnet sich dadurch, dass das Kind spielt, um zu spielen.

Es gibt erst Mal keinen äußeren Zweck.

Das Kind spürt sich selbst und taucht im Spiel in seine eigene Welt ein.

Es verliert dabei Zeit- und Raumgefühl. Diesen Zustand nennt man auch „flow“. Die Kinder gehen in dieser Welt auf. Oft wiederholen sie auch verschiedene Tätigkeiten immer wieder

- Dies gibt ihnen Sicherheit und die Möglichkeit sich voll auf die Situation einzulassen und trotzdem selbst die Kontrolle über das Geschehen zu behalten.


Warum ist das Spielen für Kinder so wichtig?


Das freie Spiel erfüllt für die Kinder verschiedene Zwecke.

Im freien Spiel erleben sich Kinder auf eine besondere Art und Weise.

Der Zustand des Flows bietet ihnen die Möglichkeit, emotional zu entspannen, also Spannungen abzubauen und erlebte Dinge zu verarbeiten. Des Weiteren dient das Spielen auch dazu sich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen und neue Fähigkeiten auszuprobieren und zu üben.

Man nennt das dann auch Explorationsverhalten, was zur Informationsverarbeitung und -Suche beiträgt.


Zusammenfassend kann man sagen, dass das Spiel Kinder in ihrer Entwicklung unterstützt und ihnen Möglichkeiten bietet sich auf spielerische Art und Weise mit ihrer Umwelt zu auseinanderzusetzen.

Dies ist die Basis für die kognitive Entwicklung bei Kindern.


Spielformen und deren Entwicklungszeitpunkt:


Es geht hierbei nicht um eine starre Struktur, wann und wie welches Kind spielt. Es ist eine grobe Einteilung.

Viele Spielformen verbinden sich im Nachhinein mit den anderen oder laufen nebenher.

Die Altersangaben dienen lediglich der Orientierung, wann die Kinder ungefähr mit der jeweiligen Spielart beginnen.


1. Funktionsspiel (ca. 1. Bis 2. Lebensjahr)


Die erste Spielentwicklungsstufe dient der sensomotorischen Entwicklung. Hier entwickeln sich die Sinne und die motorischen Fähigkeiten. Zunächst beginnt das Kind seinen Körper mit allen Sinnen zu erkunden. Es erlebt große Bewegungsfreude und Lust am Experimentieren. Der Körper ist das einzige, was es im Moment braucht. Später weitet sich das Spiel auf erreichbare Gegenstände und Materialien aus. Der Körper und erreichbare Gegenstände werden voller Freude erforscht und auf ihre Funktion und Eigenschaft hin untersucht. Diese Phase ist enorm wichtig und dient als Basis für alle weiteren Entwicklungsschritte.


Also wer manchmal denkt, mein Kind macht doch noch gar nichts, der weiß ab jetzt:

Es spielt und lernt sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen.

Es ist enorm wichtig, dem Kind den Raum zu bieten sich auszuprobieren.


Also gebt ihnen die Zeit, die sie brauchen, auch wenn es nach außen wenig erscheint, die innere Arbeit findet permanent statt.


2. Konstruktionsspiel (Gegen Ende des 2. Lebensjahres)


In dieser Phase lernt das Kind, über das Erkunden der Eigenschaften und Funktion hinauszugehen, und fängt an Dinge zu erschaffen. Durch das Kneten, Ausschneiden, Malen und Bauen erschaffen sie neue Gegenstände. Anfangs werden Dinge häufig noch zerstört, weil noch nicht Ergebnis zählt, sondern der Weg dahin. Später dann werden die Kunstwerke präziser und es wird länger an den Dingen gearbeitet, weil das Ergebnis nun auch seinen Wert hat.


Das Funktionsspiel ist sehr wichtig für die Intelligenzentwicklung des Kindes. Es fördert den Raumbegriff und das Kind lernt statische und mechanische Gesetzmäßigkeiten kennen. Es lernt planvoll und produktorientiert zu handeln.

Es werden Fähigkeiten wie Handgeschicklichkeit, Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer entwickelt und verbessert.



3. Symbol- und Rollenspiel (Gegen Ende des 2. Lebensjahres)


So-tun-als-ob Spiele… kann man sie auch nennen. In der ersten Phase, der sogenannten Nachahmungsphase spielen die Kinder einfache Begebenheiten des Alltags nach. Es werden anfangs nur die Tätigkeiten nachgeahmt, ohne selbst in die Rolle zu schlüpfen. Das „in die Rolle schlüpfen“ beginnt in der nächsten Phase. Nun kann das Kind voll und ganz in der neuen Rolle aufgehen. Im nächsten Schritt löst sich das Kind mehr und mehr aus der direkten Nachahmung von Alltagssituationen und es entstehen die schönsten Fantasiegeschichten. Jetzt kommt die Kreativität des Kindes voll zum Vorschein.


Diese Spielform dient der Entwicklung von sozialen Fähigkeiten. Das Kind beginnt das erste Mal über sich hinaus zu denken und sich in andere hinein zu versetzen. Des Weiteren können durch dieses Spiel Ängste und emotionale Spannungen gelöst werden und Erlebnisse werden verarbeitet. Des Weiteren zeigen sich in dieser Spielart Wünsche und Erwartungen des Kindes - Also die beste Beschäftigungsart überhaupt!


4. Regelspiel (ab ca. dem 3. Lebensjahr)


Bei dieser Spielform werden das erste Mal Regeln aufgestellt und eingehalten. Es gibt einen Rahmen, dem das Kind sich freiwillig unterordnet, um des Spieles willen. Es werden Reihenfolge, Bedingung und Regeln festgelegt. Es beginnt im Alter von 3 Jahren, dass Kinder ihre eigenen Regeln festlegen und sich daranhalten. Etwas später gibt es dann die Leistungsmotivation dazu. Das Kind möchte gerne gewinnen. Das Verlieren wird noch nicht verkraftet. Ab dem 4. Lebensjahr entwickeln die Kinder einen Absolutismus der Regeln. Regeln sind unantastbar, absolut und unveränderbar. Ab dem 6. Lebensjahr neigen die Kinder dann zu engen und starren Auslegungen der Regeln. Zu den einfachen Regelspielen gehören organisierte Bewegungsspiele (verstecken, einfache Kreisspiele etc.) und leichte Gesellschaftsspiele wie Memory, Domino etc.


Die Regelspiele lassen nun die Individualität ein wenig in den Hintergrund rutschen, erlauben es aber innerhalb eines gegebenen Rahmens, seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu schulen.

Insgesamt fördert das Regelspiel die soziale Anpassungsfähigkeit. Das Kind stellt die eigenen Impulse zugunsten eines Gemeinschaftsgefühls zurück. Es werden Rücksicht und Loyalität geübt und schließlich lernt ein Kind, das Verlieren auch dazu gehört. Außerdem werden Konzentration- und Entscheidungsfähigkeit verbessert.


Der Grund, dass ich heute so genau auf die Spielentwicklung eingehe ist mein Wunsch, den Kindern in unserer Gesellschaft wieder mehr Freiräume zu gewähren, in dem Bewusstsein, dass genau diese Räume wichtige Grundlagen für ihre weitere Entwicklung sind.


Hier schlägt ganz besonders mein Erzieherherz, denn ich habe oft genug den Anspruch von Eltern erlebt, man solle doch mehr BILDUNGSangebote mit den Kindern machen, denn sonst würden sie ja nichts lernen.


Ich spreche nun als Mutter und als Heilerzieherin:

Freies Spiel ist Bildung! Es geht nicht immer um die perfekt durchgeplanten Angebote, um ja alle Fähigkeiten zu entwickeln, sondern es geht AUCH um die Freiräume dazwischen, die ausschlaggebend für motorische, soziale UND kognitive Entwicklung sind.

Es gibt mir hier nicht, um entweder oder, sondern um sowohl als auch. Vorgegebene Angebote sollten genauso ihren Raum haben, wie das freie Spiel.


Und an euch als Eltern:

Könnte doch auch eine entlastende Tatsache für euch zu Hause sein. Kinder brauchen einen Rahmen, um selbst zu spielen, anstatt immer von uns beschäftigt zu werden.


Erziehung bedeutet für mich:

Ich gebe meinem Kind, durch altersangemessene Materialien und Räume, einen Rahmen innerhalb dessen es sich frei ausleben kann. Ich mache Angebote und lasse wieder frei!

Ich mache mir bewusst, in welchen Situationen ich gezielt Dinge beibringen will und in welchen ich vielleicht auch von meinem Kind lernen möchte. Indem ich mich auf den jetzigen Moment einlasse und meinem Kind meine volle Aufmerksamkeit schenke, kann ich mein Kind in seiner Entwicklung unterstützen und gleichzeitig unsere Beziehung und unsere Kommunikation vertiefen.


So viel von mir heute zum Thema „Spielen“!



Vielleicht hat es euch inspiriert und ihr erlebt jetzt das Spielen eurer Kinder noch mal auf eine neue Art und Weise. Geht doch mal in die Beobachtung eurer Kinder und lasst euch von ihnen in die Welt des Spiels entführen.


Ich hoffe ihr konntet etwas mit meinen Worten anfangen!


Ich freue mich über eure Kommentare auf Facebook oder Instagram. Teilt meine Beiträge gerne mit Menschen, denen sie guttun würden.


Bleibt gesund und viel Spaß beim Spielen!



Lg

Eure Frederike

 

Kategorien: (Corona-) Krisen - Special, Zusatz Erziehungsberatung

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