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Teil 6) 5 Schritte um Konflikte gewaltfrei zu lösen

Gepostet am 3. April 2020 um 6:20


BLOG SPECIAL CORONA 6/7


"Konflikte gewaltfrei lösen"


In der aktuellen Ausnahmesituation sind Konflikte jeder Art nicht zu vermeiden.

Ich behaupte sogar, sie sind wichtig, gerade jetzt!


Aber warum entstehen eigentlich Konflikte und wie kann man sie gewaltfrei lösen und vielleicht sogar etwas aus ihnen lernen?


Wenn ich von „gewaltfrei“ spreche, meine ich auf keinen Fall, das Vermeiden von Konflikten, um der Harmonie willen oder das Unterdrücken von Gefühlen.


Wie ihr vielleicht auch schon aus den vorherigen Beiträgen von mir mitnehmen konntet, ist es mir ein sehr großes Anliegen den Gefühlen in uns Raum zu schaffen - und da gehören Konflikte auf jeden Fall dazu.


Mit „gewaltfrei“ meine ich eher die Frage:

Wie können wir es schaffen, trotz hochkochender Emotionen bei uns zu bleiben und unsere Bedürfnisse auszudrücken, ohne den anderen oder uns selbst zu verletzen?


In der „Gewaltfreien Kommunikation“ von Marshall B. Rosenberg wird das sehr eindrücklich beschrieben mit den Symbolen einer Giraffe und eines Wolfes.


Der Wolf vertritt die Grundannahme: „Ich bin nicht ok!“ „Du bist nicht ok!“ Er schießt mit Emotionen raus und verletzt dabei nicht selten sich und andere mit Worten.


Die Giraffe vertritt die Grundannahme: „Ich bin ok!“ „Du bist ok!“ Sie ist mit ihren eigenen Bedürfnissen verbunden und sieht den Konflikt als einen Konflikt zwischen Bedürfnissen und nicht zwischen 2 oder mehr Menschen.


Jeder von uns trägt einen Wolf und eine Giraffe in sich!


Beide Tiere sind in uns und dürfen, müssen sein!

Ich lade dich dazu ein, dir bewusst zu werden welches Tier gerade in dir präsent ist.


Hinter jedem Konflikt stehen unerfüllte Bedürfnisse.

Indem wir Wut durch aggressives Verhalten (auch mit Worten ist Gewalt möglich) ausdrücken, verschaffen wir uns zwar für den Moment Luft, aber das unerfüllte Bedürfnis, das die Wut ausgelöst hat, bleibt weiterhin unbefriedigt.

Früher oder später wird es sich erneut den Weg bahnen, dann meist durch destruktives Verhalten.


Das verbindende Element der Bedürfnisse ist, dass wir alle dieselben Bedürfnisse haben, nur unterschiedlich stark ausgeprägt in unterschiedlichen Situationen.


Heute möchte ich mit euch 5 Schritte zum Umgang mit Konflikten teilen, die vielleicht noch mal zum Nachdenken anregen und uns dabei helfen uns selbst, den anderen und den Grund für Konflikte besser zu verstehen…


1. Welche Gefühle sind gerade besonders präsent?


  • Welche Gefühle erlebst du in diesen Zeiten besonders intensiv?
  • Welche Gefühle kommen immer wieder hoch und lassen dich nicht los?
  • Ist es die Angst, die Wut, die Hoffnungslosigkeit?
  • Oder auch manchmal die Freude und die Dankbarkeit?


All diese Gefühle dürfen da sein und haben ihre Berechtigung. Unsere Gefühle zeigen uns, wie es uns gerade geht und setzten für uns klare Grenzen, wenn es zu viel ist.


Es ist wichtig, gerade jetzt, sie ernst zu nehmen und zu schauen, was sie uns erzählen können, was unser Verstand vielleicht im Moment gar nicht wahrnimmt. Betrachte sie als Wegweiser hin zu dir und hin zu Lösungsideen für herausfordernde Momente.


Hier heißt es Annehmen, statt Widerstand.


2. Welche Bedürfnisse erlebst du gerade besonders stark?


Die Gefühle als Wegweiser? Wegweiser wohin? Zu unseren Bedürfnissen.

Hinter jedem unserer Gefühle, steckt ein Bedürfnis. Unerfüllte Bedürfnisse produzieren negative Gefühle und erfüllte Bedürfnisse erzeugen positive Gefühle.


Also die zentralen Fragen hier lauten:

  • Was brauchst du, um dich gut zu fühlen?
  • Was wünschst du dir  gerade in dieser Situation?
  • Welches Bedürfnis möchte gesehen und gehört werden?


Wir handeln in vielen Fällen unbewusst und lassen unsere Gefühle das Ruder übernehmen.

In dem Moment aber, indem es dir gelingt Gefühle und Bedürfnisse miteinander in Verbindung zu bringen und dann vielleicht sogar auch noch zu erkennen, welches spezifische Bedürfnis dahintersteckt, wirst du sehen wie viele Konflikte sich schon von selbst in Luft auflösen werden.

Deine Bedürfnisse wollen von dir gehört werden. Erst dann besteht die Möglichkeit im Kontakt mit anderen klarzustellen, was du brauchst und für dich einzustehen.


3. Mach dir klar, dass der andere der Auslöser, aber nicht der Grund für deine Gefühle ist


Deine Gefühle haben immer mit dir selbst und deinen Bedürfnissen zu tun.

Dein Gegenüber kann negative Gefühle in dir auslösen, aber auch nur dann, wenn er auf ein unerfülltes Bedürfnis bei dir trifft.

(Umgekehrt natürlich auch mit positiven Gefühlen, aber die lösen eher selten Konflikte aus.)


Am Ende des Tages bist nur du verantwortlich für dich und deine Bedürfnisse zu sorgen uns so schon Mal Konflikte zu vermeiden, in denen du die Schuld für deine Situation beim Anderen suchst.

Klingt alles sehr einfach, ist aber natürlich in der Umsetzung etwas schwieriger.

Aber denk daran: Übung macht den Meister.


Desto bewusster wir mit uns und unseren Bedürfnissen und Gefühlen umgehen lernen, desto weniger werden wir uns in Konflikten gegenseitig verletzen, um es danach wieder zu bereuen.

Und trotzdem:

Auch der Wolf darf immer mal dabei sein, aber du solltest ihn als solchen erkennen und ihm keine Kontrolle über deine Beziehungen und dein Leben geben!


4. Empathie


Was für dich gilt, gilt natürlich genauso für dein Gegenüber. Mach dir immer bewusst, dass jedes verletzende und negative Verhalten von einem unerfüllten Bedürfnis ausgelöst wird. So schwer das auch ist, aber versuch mal dir in einem Konflikt vorzustellen, was wohl für ein unerfülltes Bedürfnis hinter dem Verhalten deines Gegenübers steckt…

Das kann dir dabei helfen dich von der emotional geladenen Situation zu distanzieren und den wahren Grund des Konflikts zu erkennen.


Du solltest allerdings beachten, dass du selbst auf dich achtest.

Wenn du merkst, dass deine Emotionen hochkochen, könntest du dich erst Mal zurückziehen und dir bewusstmachen, was dein Bedürfnis eigentlich ist.

So nimmst du den Sprengstoff aus der Situation und kannst im Nachhinein dein Bedürfnis dem anderen mitteilen.


5. Unterscheide zwischen deinem und dem Drama deines Gegenübers


  • Worum geht es eigentlich wirklich?
  • Woher kam der Konflikt?


Oft passiert es uns, dass wir uns in das Drama des anderen reinziehen lassen.

Eigentlich reagieren wir dann nur auf die Vorwürfe des anderen. So schaukelt sich die Situation dann häufig nach oben, bis sie eskaliert. Durch die gegenseitigen Vorwürfe, Rechtfertigungen und Verletzungen ist es oft unmöglich eine Lösung zu finden, für die wahre Ursache. Frage dich sehr bewusst.

In wessen Drama befinden wir uns gerade?

Wenn es das deine ist, dann werde dir deiner Gefühle und deiner dahinterliegenden Bedürfnisse bewusst. Sollte es anders herum sein, versuche hinter die Worte deines Gegenübers zu schauen und mach dich auf die Suche nach den dahinterliegenden Bedürfnissen. Verbalisiere deinen Eindruck, wenn das Drama vorbei ist und erfahre vielleicht ganz erstaunliche Dinge über dein Gegenüber. Ein Versuch wäre es wert, oder?


Wenn du mit meinen Worten was anfangen konntest, schreibe mir gerne in die Kommentare deine Gedanken dazu oder folge mir auf Instagram oder Facebook.


Weitere Informationen rund um meine Arbeit mit Krisen findest du unter www.familienlicht.com


Ich wünsche euch allen viel Gesundheit und viel Kraft für diese herausfordernde Zeit!


Eure Frederike

 

Kategorien: (Corona-) Krisen - Special, Persönlichkeitsentwicklung

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